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Erfahrungen mit Instrumentalunterricht übers Netz

Erfahrungen mit Instrumentalunterricht übers Netz

by Matthias Ziegler -
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Vielen Dank für die Rückmeldungen betr. der Tools, die da bereits im Gebrauch sind. Martina Bovet hat netterweise das Video von Jim Daus Hjernøe aus Dänemark publiziert. Die Klangverbesserung  durch das gezielte Aktivieren der Settings ist beträchtlich. Jim hat mir bestätigt, dass auch der Sound von den peripheren Tablets dadurch besser wird.

Das Hauptproblem bleibt jedoch die Ausrüstung der Studierenden. Als Clients benützen im Studiengang Klassik nur eine Minderzahl Laptops oder Desktops. Die meisten Studierenden haben ein Tablet. Entsprechend ist ein LAN-Anschluss, der eine bessere Verbindung garantieren würde, meist nicht vorhanden - Wifi muss also ausreichen. Ein durchschnittlicher Upload beträgt so 30Mbit/s, Download ca 100MBit/s. Für Zoom reicht das gut. Wenn es eng wird, kann man immer noch das Video ausschalten. Die Studierenden Jazz sind technisch fortgeschrittener als die Klassiker und verfügen oft über einen Laptop und ein Interface. Im Moment bekunden jedoch verschiedene Server Mühe mit dem Ansturm. Soundmovers ist am Freitag zusammengebrochen und Zoom würgt beim Einloggen. 

Zentral im Kontaktunterricht ist das gegenseitige Vorspiel und auch das Zusammenspiel. Bei Skype ist das gänzlich unmöglich, bei Zoom (wenn man 'Originalsound' einschaltet) funktioniert es nicht schlecht. Zur Verbesserung empfiehlt sich das Tragen eines Kopfhörers. Trotzdem löschen sich gleiche Frequenzen z.T. gegenseitig aus (therefore never play in tune!)

Die Zeitverzögerung ist beträchtlich (Ton weniger als Bild).  Bei Zoom haben wir Schweiz intern ca 125ms. Gestern hatte ich Milano (300ms) und San Diego (500ms) an der Strippe. Ein Zusammenspiel im Sinne von Korrepetition ist da nicht möglich. Die Grenze dazu liegt erfahrungsgemäss bei 30ms. Soundmovers lag bei unseren Versuchen Schweiz intern im Bereich von 500ms. Da lässt sich gerade mal ein Kanon Tempo 60 spielen, der um ein Achtel verschoben istsmile

Wir kommen also nicht darum herum, eine Balance zwischen synchronem (gleichzeitig im Netz) und asynchronem (per Aufgabenstellung) Unterricht zu finden. In der Impro lässt sich Lucas Niggli von seinen Studierenden tagebuchartige Kurzimpros schicken, die er anschliessend mit ihnen bespricht (auch da bringen gezielte Einstellungen wie 'Computerton freigeben' in Zoom eine Verbesserung). Für die Bachelor-Studierenden richten wir eine Soundcloud ein, wo sie ihre Kurzimpros uploaden können und die Impros der Kolleginnen und Kollegen nachhören können. Lucas hat auch eine Liste mit Links aus der improvisierten Musik angefangen, die wir alle laufend ergänzen. Hier erwarten wir wöchentlich schriftliche Kurzkommentare der Studierenden zu vier aufgeführten Links.

Ganz problematisch wird es mit Studierenden, die nach China zurückgeflogen sind. Zoom scheint in China blockiert zu sein, Facetime und Skype sollten funktionieren. Hier empfiehlt es sich für die Studierenden, VPN zu installieren und sich in der ZHdK einzuloggen, um die grosse chinesische Firewall zu durchbrechen.

bis bald, herzlich

Matthias