Praxen der Gegenöffentlichkeit und des unabhängigen Publizierens am Beispiel der Sammlung Archive of Swiss Independent Periodical Publishing ASIPP
Als sich im Nachgang der 1968er-Bewegung der Begriff der Gegenöffentlichkeit herauszubilden begann, war die Situation scheinbar klar: Auffassungen über Gesellschaft und Politik, wie sie in einer als breite Öffentlichkeit wahrgenommenen Bevölkerung vorherrschten, wurden von einer etablierten Medienlandschaft getragen und nicht unwesentlich beeinflusst. Marginalisierte Gruppen, andere Ansichten und Bewertungen, neue Themen und Dringlichkeiten artikulierten sich als Protestbewegung über das probate Mittel der Demonstration – und als Alternativbewegung zunehmend über Medien, die vom Flugblatt über die Alternativpresse bis hin zu den terrestrisch übertragenden Piratensendern reichte, eine Gegenöffentlichkeit nicht nur bildete, sondern mit diesem Begriff die Ausbildung derselben mitmeinte, Aktion und Resultat also in ein und demselben Begriff subsummiert.
Vor allem in den 60er–80er Jahren bildeten sich so in unterschiedlichsten politischen, ökonomischen und sozialen (Protest-)Bewegungen Praxen des kollaborativen autonomen Publizierens aus, innerhalb derer nicht nur Themen verhandelt und Inhalte aufbereitet wurden, sondern Medien unabhängig produziert und distribuiert wurden. Es entstand eine neue, eigene Presselandschaft unabhängiger Magazine, Stattzeitungen und alternativer Zeitungen, die vom Bedarf an anderer Information seitens Produzierender ebenso Zeugnis ablegen, wie seitens Konsumierender.
In gemeinsamer Exploration der Bestände des neu an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK zugänglichen «Archive of Swiss Independent Periodical Publishing (ASIPP)» – www.asipp.ch – wollen wir frühe Formen von Gegenöffentlichkeit besser verstehen und prüfen, wo zwischen «herrschender» Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit welche Ausschlussmechanismen festzumachen sind, welche Gruppen an welcher Stelle eben genau keine Plattform fanden. Und wir befragen aus unserer prekären Gegenwart heraus, inwiefern heutige unkontrollierbare publizistische Formen und Formate, die sich in destruktiven Falschinformationen, Behauptung, Täuschung und Empörung aber auch in Hass und Gewaltaufruf zeigen und die von neuen, gänzlich anders gearteten marginalisierten Gruppen formuliert werden, die mit den Bewegungen der 1960er–80er Jahre auf den ersten Blick so gut wie nichts gemein hat in ihren Doktrinen der Macher:innen damals wie heute womöglich ähneln.
Als sich im Nachgang der 1968er-Bewegung der Begriff der Gegenöffentlichkeit herauszubilden begann, war die Situation scheinbar klar: Auffassungen über Gesellschaft und Politik, wie sie in einer als breite Öffentlichkeit wahrgenommenen Bevölkerung vorherrschten, wurden von einer etablierten Medienlandschaft getragen und nicht unwesentlich beeinflusst. Marginalisierte Gruppen, andere Ansichten und Bewertungen, neue Themen und Dringlichkeiten artikulierten sich als Protestbewegung über das probate Mittel der Demonstration – und als Alternativbewegung zunehmend über Medien, die vom Flugblatt über die Alternativpresse bis hin zu den terrestrisch übertragenden Piratensendern reichte, eine Gegenöffentlichkeit nicht nur bildete, sondern mit diesem Begriff die Ausbildung derselben mitmeinte, Aktion und Resultat also in ein und demselben Begriff subsummiert.
Vor allem in den 60er–80er Jahren bildeten sich so in unterschiedlichsten politischen, ökonomischen und sozialen (Protest-)Bewegungen Praxen des kollaborativen autonomen Publizierens aus, innerhalb derer nicht nur Themen verhandelt und Inhalte aufbereitet wurden, sondern Medien unabhängig produziert und distribuiert wurden. Es entstand eine neue, eigene Presselandschaft unabhängiger Magazine, Stattzeitungen und alternativer Zeitungen, die vom Bedarf an anderer Information seitens Produzierender ebenso Zeugnis ablegen, wie seitens Konsumierender.
In gemeinsamer Exploration der Bestände des neu an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK zugänglichen «Archive of Swiss Independent Periodical Publishing (ASIPP)» – www.asipp.ch – wollen wir frühe Formen von Gegenöffentlichkeit besser verstehen und prüfen, wo zwischen «herrschender» Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit welche Ausschlussmechanismen festzumachen sind, welche Gruppen an welcher Stelle eben genau keine Plattform fanden. Und wir befragen aus unserer prekären Gegenwart heraus, inwiefern heutige unkontrollierbare publizistische Formen und Formate, die sich in destruktiven Falschinformationen, Behauptung, Täuschung und Empörung aber auch in Hass und Gewaltaufruf zeigen und die von neuen, gänzlich anders gearteten marginalisierten Gruppen formuliert werden, die mit den Bewegungen der 1960er–80er Jahre auf den ersten Blick so gut wie nichts gemein hat in ihren Doktrinen der Macher:innen damals wie heute womöglich ähneln.
- Kursanbieter/in: Andreas Vogel