
"Still there are seeds to be gathered, and room in the bag of stars."
Mit diesen Worten schliesst Ursula K. Le Guin ihren Essay "The Carrier
Bag Theory of Fiction" (1986), in dem sie das Erzählen als eine Praxis
des Sammelns, Bewahrens und Weitertragens begreift. Statt heroischer
Narrative von Fortschritt und Eroberung schlägt sie Geschichten vor, die
sich Fürsorge, Kooperation und Koexistenz widmen. Diese werden zu
Trägern von möglichen Zukünften – zu Formen, in denen sich Sorge und
Imagination, Erinnerung und Materialität verschränken.
Der Kurs
nimmt diese Denkfigur als Ausgangspunkt, um das ästhetische,
theoretische und politische Potenzial des Samens – als Form, Metapher
und Material – zu untersuchen. Samen stehen nicht nur für Beginn und
Potenzial, sondern auch für Zeitlichkeit, Latenz und Verwurzelung; sie
verbinden Erde und Kosmos, Körper und Wissen, Vergangenheit und Zukunft.
Im Austausch mit Gästen befassen wir uns mit Perspektiven, die Samen
als Träger ökologischer Beziehungen, als Symbole von Souveränität und
Gemeingütern, als epistemische und poetische Figuren oder als materielle
Archive begreifen. Nebst theoretischen Zugängen aus Ökologie,
Posthumanismus, Feminist Science Studies und postkolonialer Theorie
werden auch künstlerische Praktiken, filmische Arbeiten oder spekulative
Entwürfe in den Blick genommen.
Ziel der Veranstaltung ist es,
Seeds als Denkfigur zu verstehen, die Fragen nach Verantwortung,
Zirkulation, Transformation und Imagination bündelt – und dazu einlädt,
Formen des Denkens, Erzählens und Gestaltens neu zu kultivieren.
- Kursanbieter/in: Soenke Gau
- Kursanbieter/in: Laurin Huber